„Wir machen gemeinsam Erfolge möglich“
Anja Horn-Rückerl und Erwin Rückerl leiten seit einem Vierteljahrhundert das Hofgut Hafnerleiten mitten in der Natur bei Bad Birnbach. Das Vollblut-Gastropaar hat einen ganz besonderen und vielfach prämierten Ort geschaffen. Anja Horn-Rückerl freut sich nun auf das Netzwerk Business Women und auf den Austausch mit anderen Unternehmerinnen.
Gibt es Ihrer Meinung nach spezifische Führungsqualitäten, die Frauen in der Wirtschaft besonders stark machen?
Grundsätzlich ist ein gutes Miteinander zwischen Männern und Frauen notwendig – sie können sich gut ergänzen, vor allem in familiengeführten Unternehmen. Es sind jedoch ein paar Themen, die ich den Frauen zuschreiben würde: Soziales Engagement als einen wichtigen Wert des Betriebes zu sehen, Teilzeitmöglichkeiten zu schaffen, Wertlegung auf Netzwerke und diese auch zu pflegen. Dazu Diplomatie in Verhandlungen, da man sich als Frau vielleicht einfacher in sein Gegenüber versetzen kann.
Sehen Sie Unterschiede in den Erwartungen an Frauen in der Wirtschaft?
Generell versuche ich zu vermeiden, Unterschiede zu machen oder zu spüren. Beide Geschlechter können in unserem Gewerbe die gleiche Arbeit annehmen und diese mit allen Qualitäten ausfüllen.
Angeblich agieren Frauen weniger risikofreudig als Männer. Stimmen Sie zu?
Ich habe bis jetzt in all meinen beruflichen Stationen das Prinzip kennengelernt: Hinter jedem, der risikofreudig ist steht jemand, der ihn unterstützt. Das kann die Frau hinter dem Mann, aber auch der Mann hinter der Frau sein. Das Risiko nicht alleine zu tragen ist immer besser. Wir sind hier die klassischen „Familienunternehmer-Typen“.
Wie definieren Sie persönlich Erfolg – und sehen Sie Unterschiede?
Den persönlichen Erfolg sehe ich an der Zufriedenheit meiner Gäste. Wir verwöhnen sie gemeinsam als Team an einem Ort der Ruhe und Erholung. Desweiteren im Wohlbefinden meiner Mitarbeiter, die täglich gerne in die Arbeit gehen. Erfolg ist für mich auch, mit dem, was man gerne tut, seine Kredite bedienen zu können und immer wieder in die Qualität zu investieren. Männer achten vielleicht mehr auf Auswertungen, Zahlen, Prozente und Fakten. Aber auch hier kann man nicht pauschalieren: Es gibt auch Frauen, die absolute Zahlenmenschen sind und Erfolg am Umsatz messen.
Was ist nötig, damit Frauen langfristig gleichberechtigt Führungspositionen einnehmen?
Meiner Meinung nach muss sich viel um das Thema Kind ändern. Jede und jeder kann – wenn er es wirklich möchte – eine Führungsposition erreichen. Aber es ist eine Frage der Organisation und des Timings. Kind und Karriere in einem Vollzeitjob zu vereinbaren, birgt noch immer sehr große Schwierigkeiten. Als Arbeitgeber müssen wir Teilzeitarbeit noch interessanter machen wie etwa durch Jobsharing. Kindergärten müssen ihre Öffnungszeiten ändern. Image-Kampagnen, die auch Führungskräfte in Teilzeit pushen, wären wichtig. Gerade in der Hotellerie und Gastronomie können wir Teilzeitkräften wunderbar Verantwortung übergeben – diese Möglichkeit wird nur oft von den Müttern nicht genutzt.
Wie kann ein Frauennetzwerk helfen?
Ein Netzwerk kann Mut machen, Inspiration geben, die Wirtschaft bewegen und gegenseitig unterstützen. Dazu sind wir Erfahrenen auch Vorbilder für die junge Generation, dass sich Engagement lohnt. Netzwerk kann Erfolge möglich machen, da man über den Tellerrand schaut und aktiv wird. Außerdem kann man dem ein oder anderen die Angst nehmen vor großen Projekten. Man kann sich austauschen und beraten lassen – und zwar vertrauensvoll und offen auf Augenhöhe.